Info über Originalgrafik zur Auflage und Druckqualität für Sie als Sammler

- Kaltnadelradierung

sie lässt ohne die Verstählung nur 10 bis 15 gute Abzüge zu


- Ätzradierung

sie gestattet 30 bis 40 Abzüge von sehr guter, beziehungsweise ca. 100 Abzüge von guter Qualität. Durch Verstählung kann die Auflage auf bis zu 300 Exemplare gesteigert werden.


- Kupferdruck

bei einem gut gestochenen oder gezeichneten Kupferdruck kann eine Auflage von 300 bis 500 Exemplare hergestellt werden


Limitierung

Die zahlenmäßige Begrenzung der Auflage liegt allein beim Künstler.


Nummerierung in der Auflage

Die Nummerierung hat den Sinn, dem Sammler eine Orientierung zu geben, wie viele Exemplare von einem Blatt existieren. Je niedriger die Nummerierung liegt, desto besser ist in der Regel auch die Druckqualität.

Das Beispiel "99/ 100" bedeutet, dass es sich hier um das 99. Exemplar einer Gesamtauflage von 100 Radierungen handelt.


Zustand einer Grafik

Wenn Sie ein Blatt kaufen und ev. später mit einer Rendite verkaufen möchten, ist der Zustand des Blattes sehr wichtig. Was 1990 gedruckt worden ist, nie gerahmt wurde und heute keine Lichtschäden oder Stockflecken hat, ist sehr rar.

Ein Blatt, das quasi 30 Jahre später druckfrisch zu kaufen ist, wäre eine wahre Rarität.

Oftmals werden Arbeiten in Auktionshäuser zum Kauf angeboten, die aus einem  Privatbesitz kommen. Ein Kenner sieht sofort, ob das Blatt Lichtschäden, Farbverluste oder Stockflecken hat, oder ob das Passepartout über dem Blatt liegt. Solche Arbeiten eignen sich kaum noch für den Verkauf und sind teilweise schwer zu Restaurieren. Wenn die Farben von der Sonne gebleicht sind, gilt das Blatt als massiv beschädigt und verliert dadurch an Wert. Gerade rote Farbtöne sind bei den Grafiken nicht farbecht, ausser teilweise beim Siebdruck. Darum werden auf Auktionen günstige Preise angesetzt.

Als Beispiel; ein ausgewiesenes Objekt kostet 10’000 Euro und auf der Auktion wird dieses für 3'000 Euro angeboten.


In den letzten 30 Jahren habe ich unglaublich viele solche Arbeiten gesehen, bei denen die Kunden annahmen, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Dem war leider nicht so. ( Gerne erkläre ich Ihnen mündlich was dazu ).   

Ein Beispiel; Paul Klee, Aquarell von 1912 mit dem Motiv "Häuser", nachgedunkelt und mit Lichtschäden der Farbe, wurde 2003 an der Auktion nicht verkauft.

Zehn Jahre später wurde das Blatt ebenfalls nicht verkauft und drei Jahre später in Wien an der Auktion auch nicht. Der Schätzpreis lag immer zwischen 70'000 und 90’000 $. Tauchte das Bild in einer Onlineauktion auf, wurde die Schätzung auf  65’000 ChF gesetzt. Das Werk wurde schliesslich für  33’000 ChF verkauft. Wäre die Grafik in einem guten Zustand gewesen, schön farbig und ohne Lichtschäden, so würde sich der Kaufpreis zwischen 140’000 und 180’000 ChF bewegen.    


Künstlerdrucke

E. A. Epreuve d’Artiste ( e.a. )

A. P. artist print ( engl. )

P. P. printers proof ( Belegexemplare des Druckers )

H. C. hors commerce


Bezeichnung E. A. ( Epreuve d’Artiste ) oder Proof

Anstelle der Bezifferung der Druckauflage wurde die Bezeichnung E. A. oder Proof verwendet. Diese bedeutet, dass es sich um Abzüge des Künstlers für den Eigenbedarf handelt, die zusätzlich zur Auflage gedruckt wurden.

Üblicherweise zählt diese um die 10 bis 20 Blätter. Es gibt aber Ausnahmen, wie z.B. beim Hundertwasser, der in einer Auflage mehrere Farbvarianten erstellte.

Sehr oft werden die E. A.- Exemplare zur Unterscheidung von der Auflageserie mit römischen Zahlen bestückt; Beispiel "E. A. III/ XX“ oder Proof III/XX.

Weil diese Drucke sehr oft vor der eigentlichen Auflage gedruckt werden, besitzen sie die höchste Qualität und sind daher sehr begehrt. Sammler, Museen oder Galerien müssen daher je nach Berühmtheit des Künstler mehrfache Kosten der normalen Auflage aufbringen. Wenn man das Glück hat, sieht man alle diese Arbeiten und der ganze Aufbau des Werkes. Es ist ein seltener Fall und sehr interessant. Bei einem Gemälde oder einem Aquarell sieht man das nicht. Hier steht nur das fertige Bild. Darum sind Sammler und Museen an solchen Arbeiten sehr interessiert.


Bezeichnung H. C. ( hors commerce )

Mit dieser Bezeichnung wurden Drucke außerhalb des Handels bezeichnet, die nicht immer nummeriert sind, z.B. für Freunde oder Galerien des Künstlers.


Zustandsdruck

E. E. Epreuve d’Etat, Epreuve d’Essai, und Proofs


Die so gekennzeichneten Blätter sind Probedrucke oder Zustandsdrucke. Diese wurden während der Arbeit des Künstlers zur Kontrolle gedruckt. Die Blätter haben noch nicht die endgültige, als Auflage gedruckte Fassung. Daher sind sie als Einzelstücke/ Unikate sehr oft gesucht und gehören zu den Raritäten und Sammlerobjekten. Diese Einzelstücke sind wie „Arbeitsblätter“ anzusehen, die teilweise von Hand des Künstler aquarelliert sind. Oder aber notiert der Künstler auf dieses Blatt, wie und welche Änderungen vorzubringen sind; z.B. mehr blau und so weiter.



Entwerten einer Platte oder eines anderen Druckträgers


Radierungen

Ist die angegebene und signierte Auflage gedruckt, wird die Platte „gekreuzt“, oder durchgestrichen d.h., durch diagonale Stahlnadel zerstört. Machmal wird die Platte auch durchbohrt. Von ganz begehrten Künstlern ( z.B. Picasso ) sind jedoch sogar gekreuzte Abzüge im Handel.


Lithografien und Holzschnitte

Da wird normalerweise der Stein ( Litho ) abgeschliffen oder der Lithostein zerschlagen. Bei Holzschnitten wird die Holzplatte abgeschliffen oder zerschlagen.


Siebdrucke und Offsetdrucke

Da werden die Siebe durchgeschnitten, beim Offsetdruck die Offsetplatten verschnitten.



Vorgehen des Künstlers

Die weltberühmten Künstler handeln im Normalfall folgendermassen;  beim Entwerten des Druckträgers sind diese in ihrem Besitz oder dessen Nachlass, so kann garantiert werden, dass keine weiteren Auflagen gedruckt werden. Diese Künstler wissen, dass es nicht statthaft wäre, von dem Druckträger eine weitere Auflage herzustellen. Somit würde nämlich der Sammlerwert sinken und natürlich auch die Preise.

Bei den nationalen Künstler geht man davon aus, dass sie das auch so machen.